Laura und Aramis

Ausgangslage

Ich gehe seit Jahren zu Steffi in Dressur- und Springreitstunden, habe bei ihr das Intervalltraining (Equikinetic) gelernt und suche stets bei ihr Rat, wenn mit meinem Haflingerjungen Aramis etwas nicht ganz rund läuft. Letzten Frühsommer begegnete ich dem Problem, dass mein Pferd (10 jährig, seit 5 Jahren regelmässig im Training/Reitstunden) sich nicht mehr richtig longieren liess. Kein Untertreten, keine, bzw. die falsche Kopf- /Körperhaltung sowie massives Gegenziehen, was das Longieren teils ganz verunmöglichte. Nach einer Sommer- Longierpause bat ich Steffi, mein Problem mit mir zusammen anzupacken.

Warum Doppellonge?

Steffi hat sich unser Longierdebakel angeschaut und vorgeschlagen, statt mit Kappzaum und nur einer Longe die Doppellonge auszuprobieren. Mit der Doppellonge hat man grundsätzlich verlängerte Zügel, was mir bei meinem Pferd zu gute kam, weil er auf Hilfen über die Trense viel feiner reagiert, als auf Hilfen über die Nase. Des Weiteren kann man viel gezielter einwirken und kann ähnliche Hilfen mit der Longe geben wie während dem Reiten mit den Zügeln.

Doppellongen-Training

Die Arbeit an der Doppellonge war sowohl für mein Pferd wie auch für mich neu. Ich liess mir von Steffi zeigen, wie man was korrekt verschnallt und auf was beim Longieren mit zwei Longen zu achten ist. Da man nun mit zwei Longen eine Hilfegebung mehr hat als beim normalen Longieren, konnte ich mit dem Innenzügel mein Pferd auffordern, Innenstellung zu geben. Gleichzeitig konnte ich ihn mit dem äusseren Zügel einrahmen, um ihn daran zu hindern, komplett über die Schulter wegzufallen, was mir mit der normalen Longe gar nicht möglich war. Zusätzlich, um ihn vom Gegen- und Wegziehen zu hindern, haben wir für die ersten Trainings mit Dualgassen eine Begrenzung gelegt. Aramis akzeptierte von Anfang an die Hilfen durch die „verlängerten Zügel“ viel besser als jene über den Kappzaum. Ebenfalls war es nun wieder möglich, ihn vorwärts zu treiben und zum Untertreten zu bringen, ohne ihn vorne komplett zu verlieren, oder durch die Halle gezogen zu werden. In den ersten Trainings musste er konsequent lernen, dass er – wie beim Reiten auch – Stellung und eine gewisse Haltung annehmen soll. Durch das, dass er nicht mehr wie ein Giraffe durch die Gegend rannte, konnte ich mich auch wieder darauf konzentrieren, ihn zum sauberen Untertreten zu bringen und hatte jeweils am Ende des Trainings ein Pferd an der Doppellonge, das – von Mal zu Mal – eine schönere Haltung einnahm und sich wieder selbst getragen hat. Das Gegenzieh-Spiel war relativ schnell erledigt. Sobald er ins Ziehen kam, nahm ich ihn auf eine kleine, enge Volte, liess ihn anständig nachgeben und liess ihn erst dann wieder auf die vergrösserte Volte zurück. Dies klappte bei uns am Kappzaum leider nicht, da ihm Zug auf der Nase völlig egal war und er ein „Seil- Zieh-Spiel“ durch seine Kraft jeweils gewinnen konnte. Dadurch, dass Aramis das Wegziehen schnell aufgegeben hat und durch die Doppellonge wieder dazu gebracht werden konnte, nachzugeben und Innenstellung zu halten, konnte auch sehr bald daran gearbeitet werden, dass er fleissig vorwärts- abwärts läuft.

Sechs Monate später

Die ersten Trainings fanden immer gemeinsam mit Steffi statt. Als ich ihr OK hatte, dass ich das Training mit Aramis gut anpacke und das Prinzip der Doppellonge langsam im Griff hatte, trainierte ich selbstständig mindestens einmal pro Woche an der Doppellonge mit Aramis.

Die Fortschritte, die er über die letzten sechs Monate gemacht hat sind genial! Mein Pferd läuft nun schon nach zwei bis drei Aufwärmrunden in korrekter Haltung, locker und über den Rücken an der Longe.

Mittlerweile sogar am Kappzaum! Hin und wieder prüfe ich beim Longieren mit dem Kappzaum, ob die Lern- und Trainingserfolge, die wir an der Doppellonge erzielen konnten, auch beim normalen Longieren sichtbar sind. Sie sind es! : ) Damit Aramis nicht ins alte Muster zurück fällt, werde ich weiterhin sowohl an der normalen, wie auch an der Doppellonge mit ihm arbeiten, bis das neue Longiertraining gut gefestigt ist.

Laura mit Aramis